In Bayern ist die Einbruchsstatistik zwar besser als im Bundesdurchschnitt – dennoch wurden zuletzt über 10.000 Wohnungseinbrüche pro Jahr in Bayern registriert, davon ein erheblicher Teil im ländlichen Raum und in Vorstädten. Das Allgäu ist keine Ausnahme. Die gute Nachricht: Die meisten Einbrüche passieren nicht durch Tricks oder Hightech, sondern durch schlichtes Aufhebeln – und genau dagegen lässt sich gut schützen.
Einbrecher brauchen im Durchschnitt weniger als 3 Minuten – wenn eine Tür innerhalb dieser Zeit standhält, brechen 95 % der Täter die Tat ab. Welche Maßnahmen dabei den Unterschied machen, erklärt unser Fachbetrieb.
⚠️ Achtung: Ein teures Schloss allein schützt nicht. Entscheidend ist immer das schwächste Glied der Kette: Rahmen, Blendrahmen, Verglasung, Bänder und Schloss müssen zusammen ein robustes System bilden.
Was Einbrecher wirklich aufhält
1. Widerstandsklassen (RC) – Die wichtigste Kenngröße
Türen und Fenster werden nach europäischer Norm EN 1627 in Widerstandsklassen (Resistance Class, RC 1–6) eingestuft. Für normale Wohngebäude sind folgende Klassen relevant:
- RC 2: Schutz gegen Aufhebeln mit einfachem Werkzeug (Schraubenzieher, Zange). Mindestanforderung für den geförderten Einbruchschutz (KfW-Programm 455).
- RC 3: Schutz auch gegen Bohrmaschinen, Stemmwerkzeug, Sägen. Empfehlenswert für Erdgeschosse, Terrassen- und Nebeneingangstüren.
- RC 4–6: Für Bankfilialen, Juweliere, Hochsicherheitsobjekte. Im privaten Bereich selten sinnvoll.
ℹ️ Empfehlung der Polizei Bayern: Haustüren sollten mindestens RC 2 erfüllen. Für Terrassen- oder Nebeneingangstüren sowie Erdgeschossfenster empfiehlt die Kriminalpolizei RC 2 oder RC 3. Eine Beratung durch die kostenlose Sicherheitsberatung der Polizei lohnt sich immer.
2. Das Schloss: Mehrfachverriegelung ist Pflicht
Ein modernes Sicherheitsschloss allein schützt kaum, wenn der Türrahmen weich ist oder nur ein einzelner Riegel in den Zargenrahmen greift. Sinnvoll sind:
- Mehrpunktverriegelung mit mindestens 3 Verriegelungspunkten (oben, mittig, unten)
- Einbruchhemmende Schließbleche – nicht das billige Blech, das im Rahmen enthalten ist, sondern ein massiver Stahlrahmen
- Schutzbeschlag mit Ziehschutz – schützt vor dem gewaltsamen Herausreißen des Schlosses
- Anti-Bohr- und Anti-Pick-Zylinder (z. B. ABUS Bravus, Mul-T-Lock, Evva)
3. Der Türrahmen: Oft das schwächste Glied
Die meisten Einbrüche gelingen nicht durch das Schloss, sondern durch das Aufhebeln des Türrahmens. Entscheidend ist daher, dass auch der Blendrahmen aus stabilem Material besteht und solide in der Wand verankert ist. Bei Holzrahmen ohne Stahlarmierung kann ein geübter Einbrecher innerhalb von Sekunden den Rahmen ausbrechen – unabhängig davon, wie gut das Schloss ist.
4. Türspion und Gegensprechanlage
Einfache Sicherheitsergänzungen mit großer Wirkung: Ein weitwinkeliger Türspion (180°) oder eine Video-Gegensprechanlage ermöglichen es, Besuch zu überprüfen, ohne die Tür zu öffnen. Für ältere Menschen ist dies besonders wichtig, da Trickdiebstahl an der Haustür eine häufige Methode ist.
Was keinen oder kaum Schutz bietet
| Maßnahme | Schutzwirkung | Warum? |
|---|---|---|
| Einfaches Knaufschloss | gering | In Sekunden zu öffnen, kein Schutz gegen Aufhebeln |
| Sicherheitskette | gering | Schützt nur im Beisein, Montage oft fehlerhaft |
| Türstopper / Keil | sehr gering | Kein zertifizierter Schutz, kein Ersatz für Sicherheitstür |
| Aufkleber „Videoüberwacht“ | psychologisch | Kein echter Schutz, Profis lassen sich nicht abschrecken |
| Sicherheitstür ohne RC-Zertifizierung | fraglich | Ohne Prüfzeichen keine Garantie für geprüften Widerstand |
Einbruchschutz nachrüsten oder neu kaufen?
Bei Türen jünger als 15 Jahre, die bereits eine solide Grundkonstruktion haben, lohnt sich Nachrüstung: verbesserter Zylinder, neuer Schutzbeschlag, Mehrpunktverriegelung. Das ist oft für 300–700 Euro umsetzbar und kann mit KfW-Mitteln gefördert werden.
Ist die Tür älter, aus leichtem Material oder ohne Stahlverstärkung, ist der Austausch gegen eine geprüfte Sicherheitstür (RC 2 oder RC 3) wirtschaftlich sinnvoller – insbesondere weil auch neue Türen förderfähig sind.
💡 Kostenloser Service: Die Kriminalpolizeiliche Beratungsstellen in Bayern – auch in Kempten – bieten eine kostenfreie Vor-Ort-Begehung Ihres Hauses an und geben konkrete Empfehlungen, welche Maßnahmen für Ihre Situation sinnvoll sind. Nutzen Sie dieses Angebot, bevor Sie investieren.
